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Folding@home: Euer Gaming-PC gegen Corona

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Mrz
19

Spieler haben flotte Hardware, die bei der Forschung am Corona-Virus helfen kann. Wir zeigen euch, wie das mit dem Folding@Home-Projekt geht und was dabei zu beachten ist.

Die wissenschaftliche Forschung am Corona-Virus ist potenziell ein wichtiger Baustein, um die dadurch ausgelöste Krise zu überwinden. Auch Spieler können sich an dieser Forschung beteiligen, indem sie Wissenschaftlern die Rechenleistung ihrer PCs zur Verfügung stellen – das Internet macht es möglich.

Durch einen Twitter-Beitrag von Nvidia hat zuletzt vor allem das so genannte Folding@home-Projekt sehr große Aufmerksamkeit erlangt. Hier erfahrt ihr, wie es funktioniert, was ihr bei Problemen tun könnt und welche Alternativen es gibt.

Was ist Folding@home?

Bei Folding@home handelt es sich um ein Projekt von der amerikanischen Stanford University, das vor ungefähr zwanzig Jahren ins Leben gerufen wurde. Es dient dem Ziel, die wissenschaftliche Forschung an Krankheiten per Computer mit Hilfe der Rechenleistung von Privatpersonen zu beschleunigen.

Dazu werden die entsprechenden Rechenaufgaben in einzelne »Work Units« (WU) aufgeteilt. Damit jeder PC weiß, was er zu tun hat, muss darauf jeweils eine Client-Software installiert werden (siehe den Punkt »Download und Installation von Folding@home«). Sie kann WUs herunterladen und mit der Prozessor- und Grafikkarten-Leistung des jeweiligen Rechners bearbeiten.

Systemanforderungen und Installation

Brauche ich eine Nvidia-Grafikkarte für Folding@home?

Nein, Folding@home funktioniert auch mit AMD-Grafikkarten sowie mit Prozessoren von AMD und Intel. Die offiziellen Mindestanforderungen nennen sehr alte Hardware, wie die folgende Übersicht zeigt. Je leistungsfähiger die Komponenten aber sind, desto schneller können sie die anstehenden Aufgaben abarbeiten.

Grafikkarten-Anforderungen für aktuelle Projekte:

  • AMD: Ab Radeon HD 5000 (Release 2009), Windows Vista (SP2) oder neuer (64 Bit empfohlen)
  • Nvidia: Ab Geforce GTX 400 (Release 2010), Windows XP (SP3) oder neuer (mindestens Windows 7 und 64 Bit empfohlen)

CPU-Anforderungen:

  • Pentium 4 (1,4 GHz) oder neuer / oder ein AMD-Äquivalent
  • Moderne Mehrkern-Prozessoren empfohlen
  • Windows XP (SP3) oder neuer (32 oder 64 Bit)

Folding@home Download und Installation

Das nötige Tool nennt sich FAHClient (FAH = Folding At Home), den Download des nur etwa 30 MByte großen Installers findet ihr unter foldingathome.org/start-folding.

Die Installation ist in wenigen Schritten erledigt:

  1. Nach dem Öffnen der heruntergeladenen Datei auf »Next« klicken
  2. Per »I Agree« den Lizenzbestimmungen zustimmen
  3. Über einen Klick auf »Next« die Express-Installation starten.

Zusätzliche Optionen mit Custom- statt Express-Installation:

  • Speicherort für das Programm und die Daten auswählen
  • Startverhalten des Client anpassen: Automatisch beim Windows-Start, nur als Hintergrunddienst (klappt nicht mit GPUs) oder manueller Start
  • den Folding@home Bildschirmschoner aktivieren

Gibt es eine Android-App für Folding@home?

Es gab zwar in der Vergangenheit mal eine entsprechende App im Playstore, die in Zusammenarbeit mit Sony entstanden ist. Sie wurde aber Mitte Februar 2018 eingestellt.

Derzeit stehen damit für die folgenden Plattformen Clients bereit:

  • Windows (alle Versionen, 32 & 64 Bit)
  • macOS (ab Version 10.6)
  • Linux (64 Bit & 32 Bit)

Die entsprechenden Downloads findet ihr unter foldingathome.org/alternative-downloads.

Wie stelle ich nach der Installation sicher, mich an der Corona-Forschung zu beteiligen?

Dazu müsst ihr nichts weiter tun. Die standardmäßig vorgenommene Einstellung »Any disease« bei der Option für das gewünschte Forschungsobjekt behandelt entsprechende Rechenaufgaben aktuell bevorzugt (siehe auch das folgende Bild).

Noch gibt es bei Folding@home keine eigene Einstellung für das Corona-Virus, stattdessen müsst ihr "Any Disease" auswählen (in diesem Fall über das Web-Interface), um euch an entsprechenden Projekten zu beteiligen.

Noch gibt es bei Folding@home keine eigene Einstellung für das Corona-Virus, stattdessen müsst ihr “Any Disease” auswählen (in diesem Fall über das Web-Interface), um euch an entsprechenden Projekten zu beteiligen.

Bedienung: Wie steuere ich Folding@home?

Das Tray-Icon in der Taskleiste von Windows bietet schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen von Folding@home.

Das Tray-Icon in der Taskleiste von Windows bietet schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen von Folding@home.

Es gibt drei Wege, Einstellungen für Folding@home vorzunehmen, auf die wir in den folgenden Abschnitten jeweils genauer eingehen.

  1. Per Rechtsklick auf das Tray-Icon
  2. über das Web-Interface, das über die Adresse client.foldingathome.org im Browser erreichbar ist
  3. Windows-Software »FAHControl-Tool«, die stets automatisch mit installiert wird

So funktioniert das Tray-Icon von Folding@home

Mit dem Tray-Icon könnt ihr folgende Einstellungen vornehmen:

  • Web Control: Öffnet das Web-Interface (siehe den nächsten Abschnitt)
  • Advanced Control: Öffnet die Windows-Software (siehe den übernächsten Abschnitt)
  • Protein Viewer: Öffnet eine 3D-Visualisierung (nicht wirklich nötig)
  • Full / Medium / Light: Legt fest, wie stark eure Hardware beansprucht wird
  • On Idle: Ist die Option aktiv, arbeitet das Tool nur, wenn ihr sonst nichts mit eurem PC macht
  • Pause: Alle aktuellen Arbeiten werden pausiert
  • About: Öffnet ein Info-Fenster zum FAHClient
  • Quit: Schließt das Programm

So funktioniert die Steuerung per Web-Interface von Folding@home

Über die Icons in der Info-Grafik oben erklären wir euch die wichtigsten Funktionen des Web-Interface von Folding@home. Um alle Icons hervorheben zu lassen, könnt ihr die Schaltfläche oben rechts im Bild verwenden.

Das ist beim Web-Interface von Folding@home generell zu beachten:

  • Ihr erreicht es im Browser über die Adresse client.foldingathome.org
  • Damit es funktioniert, muss der FAH-Client gestartet sein (wird im Windows-Startmenü als »Folding@home« bezeichnet)
  • Kommt es zu Problemen, kann es helfen, den Browser zu wechseln. Auf einem unserer Testsysteme klappte es in Chrome beispielsweise nicht, aber im Firefox.

So funktioniert die Steuerung per Windows-Software von Folding@home

Auch für die Windows-Software haben wir eine Info-Grafik mit Hotspot-Icons für euch erstellt. Im Hauptfenster könnt ihr weitgehend dieselben Einstellungen vornehmen wie im Web-Interface, erweiterte Optionen verbergen sich hinter dem »Configure«-Eintrag (mehr dazu im Bereich »Troubleshooting & Alternativen«).

Troubleshooting & Alternativen

Meine GPU/CPU bekommt keine Aufgaben

Wählt ihr nur die Auslastungsstufe beziehungsweise Folding Power "Light" (obere Markierung), fängt die GPU erst mit ihrer Arbeit an, wenn der PC sich im Idle beziehungsweise im Leerlauf befindet (untere Markierung).

Wählt ihr nur die Auslastungsstufe beziehungsweise Folding Power “Light” (obere Markierung), fängt die GPU erst mit ihrer Arbeit an, wenn der PC sich im Idle beziehungsweise im Leerlauf befindet (untere Markierung).

Etwas Geduld haben: Da die Server teilweise überlastet sind, kann es eine Weile dauern, bis eurer Hardware Aufgaben zugewiesen werden. Wir mussten bislang maximal ungefähr eine Stunde warten, es kann aber auch zu längeren Wartezeiten kommen

Sicherstellen, dass die Auslastungsstufe hoch genug ist: Steht die Hardware-Auslastung nur auf der Stufe »Light«, übernimmt die GPU erst dann Rechenaufgaben, wenn euer PC sich im Leerlauf befindet und ihr nichts damit macht. Erst auf den Stufen »Medium« und »High« kommt die GPU zum Einsatz, während ihr gleichzeitig etwas mit eurem Rechner macht.

Hardware-Slots löschen und wieder hinzufügen: Manchmal kann es helfen, die vorhandenen Bearbeitungs-Slots für CPU und GPU zu löschen und neu hinzuzufügen. Geht dazu wie folgt vor:

  • Klickt im Windows-Tool oben links auf »Configure« und öffnet anschließend den Reiter »Slots«
  • Markiert vorhandene Slots im Bereich »Folding Slots«, löscht sie jeweils über die »Remove«-Schaltfläche unten rechts und klickt darunter auf »Save«
  • Öffnet die Slot-Optionen erneut und klickt unten rechts auf »Add«
  • Wählt im neuen Fenster über die linke Spalte die CPU aus und klickt unten rechts auf »Ok«. Wiederholt denselben Vorgang mit der Auswahl der GPU.
  • Abschließend müsst ihr wieder über »Save« alle Änderungen abspeichern

Hardware für mehr Aufgaben freischalten: Im Slot-Menü des Windows-Tools könnt ihr mehr Aufgaben für eure CPU und Grafikkarte freischalten. Das geht so:

  • Geht im Windows-Tool auf »Configure\Slots« und macht einen Doppelklick auf den gewünschten Eintrag zu der CPU beziehungsweise GPU
  • Klickt unten rechts unter »Extra slot options (expert only)« auf »Add«
  • Tragt als Name »client-type« und als Wert (beziehungsweise Value) »advanced« ein
  • Klickt auf »Ok« und anschließend auf »Save«

Wie kann ich überprüfen, wie stark meine Hardware genutzt wird?

Das geht unter anderem mit Hilfe des Task-Managers von Windows:

  • Öffnet ihn über die Tastenkombination »Strg+Umschalt+ESC«
  • Klickt unten links auf »Mehr Details«
  • Haltet in der Prozess-Liste nach Einträgen Ausschau, die mit »FahCore« beginnen
  • Wenn alles klappt, sollten diese Prozesse für eine Auslastung der CPU und/oder der GPU im zweistelligen Prozentbereich sorgen, wie im folgenden Bild zu sehen ist.
In diesem Fall belastet ein FAH-Prozess primär die Grafikkarte und der andere primär die CPU.

In diesem Fall belastet ein FAH-Prozess primär die Grafikkarte und der andere primär die CPU.

Schadet Folding@home meiner Hardware?

Diesem Thema widmen wir uns in dem separaten Artikel Wie wirkt sich Folding@home auf meinen PC aus? ausführlich.

Und kurz gesagt: Das Tool schadet eurem PC nicht mehr oder weniger als andere Software, die eure Hardware in vergleichbarem Umfang für Berechnungen nutzt. Und ihr habt stets die Kontrolle darüber, wie hoch die Auslastung sein soll und wann sie stattfindet.

Aber woher weiß ich, dass meine Rechenleistung wirklich bei der Forschung hilft?

Forschungsergebnisse werden auf der News-Seite des Folding@home-Projekts veröffentlicht. Ob und wie viel diese Art der Forschung im Falle des Corona-Virus genau bringen wird, können letztlich nur Experten aus dem medizinischen Bereich beurteilen, wobei genaue Vorhersagen wohl auch solchen Experten kaum möglich sein dürften.

Wir teilen allerdings nicht die von manchen geäußerte Skepsis, dass nur die USA von den Forschungsergebnissen profitieren werden, da die Forschung letztlich dort stattfindet. Am Ende muss aber jeder selbst entscheiden, ob er seine Hardware auf diesem Weg der Forschung zur Verfügung stellen möchte oder nicht.

Übrigens: Wie diesem Reddit-Beitrag zu entnehmen ist, findet dort am 19. März ein AMA (Ask me anything) mit den Forschern hinter Folding@home statt. Vielleicht kann es dabei helfen, eventuelle Zweifel auszuräumen oder weitere Fragen zu klären.

Gibt es Alternativen zu Folding@home?

Ja, das Projekt Rosetta@home der Universtiy of Washington, das ebenfalls mit Hilfe der Rechenleistung von Privatpersonen am Corona-Virus forscht. Basis ist in diesem Fall das BOINC-Netzwerk für verteiltes Rechnen (danke an zahlreiche Leser für ihre Hinweise dazu). Eine nicht-amerikanische Alternative ist uns derzeit nicht bekannt.

Solltet ihr Alternativen kennen, schreibt es gerne in die Kommentare – was auch für weitere Tipps zur Folding@home-Software gilt!

Informationen und Schutzmaßnahmen zum Coronavirus
Das Bundesgesundheitsministrium bietet zum Thema Coronavirus ein umfassendes FAQ, sowie tagesaktuelle Nachrichten und Anleitungen zum Schutz vor Ansteckungen an. Darüber hinaus erreicht ihr die unabhängige Patientenberatung unter folgender Telefonnummer: 0800 011 77 22

Download: https://foldingathome.org/start-folding/
Unsere Statistik: https://wearestars.de/wir-unterstuetzen-forschung/

Unsere Team ID: 244459

Quelle: https://www.gamestar.de

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