*STARS* NEWS

Red Dead Redemption 2 im Test

img
Apr
19
  • Story
  • Steuerung
  • Grafik
  • Bug Frei
  • Preis

RDR2 im Test: Keine Action von der Stange

Wer die ruhige, erwachsene und teils sogar mit Konventionen brechende Erzählweise des Vorgängers mochte, aber befürchtete, dass Rockstar sich mit Red Dead Redemption 2 mehr an anderen erfolgreichen Open-World-Games und deren oftmals recht formelhaften Aufbau orientiert oder den Western gar mit einem Stück Irrsinn der hauseigenen Reihe Grand Theft Auto garnierte, darf beruhigt aufatmen. RDR 2 ist kein Wild-West-GTA und ganz bestimmt kein Actionspiel von der Stange. Der Fokus liegt klar auf der Geschichte, den Charakteren und der Atmosphäre, die durch die herausragend gestaltete Spielwelt und wunderbar subtile Musikuntermalung hergestellt wird. Im direkten Vergleich mit GTA oder anderen Open-World-Spielen hat Red Dead Redemption 2 ein ruhiges, teilweise gar gemächliches Spieltempo.

In RDR 2 spielt ihr zwar als Arthur Morgan, trefft aber auf John Marston, den Protagonisten des Vorgängers, und weitere Bekannte wie Javier Escuella.

Doch wenn es kracht, kracht es gewaltig. Der Open-World-Western erfindet das Rad in Sachen Missionsdesign sicherlich nicht neu und bietet – wie jedes Spiel – gewisse sich wiederholende Spielelemente wie Verfolgungsjagden, Schießereien oder Überfälle, aber die Missionen werden so abwechslungsreich und toll inszeniert, dass das Gameplay nie langweilig wird. Vor allem aber wird man noch mehr in das Spiel und die Action hineingezogen, da man mit der stark erzählten Story und besonders mit den grandios geschriebenen Charakteren mitfiebert. Man wird emotional gepackt und erlebt das Spielgeschehen dadurch noch viel intensiver.

RDR2 im Test: 20 glorreiche Halunken

Red Dead Redemption 2 spielt mehrere Jahre vor dem ersten Teil. Brachte man im Vorgänger als John Marston noch gezwungenermaßen die ehemaligen Gangkollegen für die Regierung um, ist man nun selbst Teil der Van-der-Linde-Bande. Allerdings verkörpert man diesmal nicht Marston, sondern Arthur Morgan, welcher der Gang schon seit seiner Jugend angehört und als rechte Hand von Anführer Dutch van der Linde agiert. John Wo eure Bande auftaucht, endet es nur selten nicht mit Blutvergießen. Trotz vieler Schießereien, sind die Missionen abwechslungsreich gestaltet. Marston ist zu dieser Zeit zwar noch Mitglied der Gang und Teil mehrerer Aufträge, steht jedoch nicht im Fokus. Die Bande hat ohnehin schon bessere Zeiten erlebt und befindet sich nach einem schiefgelaufenen Überfall in Blackwater auf der Flucht vor dem Gesetz. Die Regierung möchte die verbliebenen Outlaws im zunehmend zivilisierten Amerika mit aller rechtmäßigen Härte beseitigen und macht unerbittlich Jagd auf sie. Dutchs Ziel ist es also, noch ein großes Ding zu drehen, um genug Geld zu haben, dass sich die Gang in die Karibik absetzen kann. Allerdings laufen einige Dinge aus dem Ruder und Dutchs Handlungen werden zunehmend irrationaler, sodass Spannungen innerhalb des Banditencamps entstehen. Hier beweisen Rockstar Games erneut ihr Händchen für Charaktere und deren Entwicklung. Keine der Hauptfiguren ist in einem klischeebehafteten Schwarz/Weiß-Schema anzuordnen. Alle haben ihre eigenen Motivationen und Hintergrundgeschichten, die man nach und nach in den zahlreichen hervorragend (englisch) vertonten Dialogen erfährt und sie so greifbar macht. Hauptcharakter Arthur beispielsweise ist eigentlich ein ziemlicher Mistkerl, doch man lernt dessen Beweggründe und eigenen Moralkodex kennen, wodurch er trotz teils verachtenswerter Taten zu einem interessanten Charakter und einer Identifikationsfigur wird. Überhaupt macht es sich Rockstar nicht so einfach, euch in eine Truppe von Bankräubern und Mördern zu schicken.

Im Camp, das euch auch als Rückzugspunkt dient und von euch (optional) mit verschiedenen Vorräten versorgt werden kann, tummeln sich auch andere gefallene Gestalten. Dutch beschäftigt neben Revolvermännern auch Trickbetrüger, einen Finanzhai oder leichte Mädchen, welche in den Städten ihre Ohren spitzen, um an Informationen zu gelangen. Die Bande zieht nicht einfach mordend und plündernd durchs Land, sondern bewegt sich von Gebiet zu Gebiet, um dort reiche Bürger oder den Staat mit einer List oder Waffengewalt um ihr Erspartes zu bringen. Auch das erleichtert die Identifikation mit der Bande und die Immersion in die Spielwelt. Ohnehin merkt man eindeutig, wie sehr die durch die Bank starken Charaktere die Handlung tragen, welche euch in viele Städte, Dörfer und sogar mehrere Bundesstaaten führt.

Im Camp, das euch auch als Rückzugspunkt dient und von euch (optional) mit verschiedenen Vorräten versorgt werden kann, tummeln sich auch andere gefallene Gestalten. Dutch beschäftigt neben Revolvermännern auch Trickbetrüger, einen Finanzhai oder leichte Mädchen, welche in den Städten ihre Ohren spitzen, um an Informationen zu gelangen. Die Bande zieht nicht einfach mordend und plündernd durchs Land, sondern bewegt sich von Gebiet zu Gebiet, um dort reiche Bürger oder den Staat mit einer List oder Waffengewalt um ihr Erspartes zu bringen. Auch das erleichtert die Identifikation mit der Bande und die Immersion in die Spielwelt. Ohnehin merkt man eindeutig, wie sehr die durch die Bank starken Charaktere die Handlung tragen, welche euch in viele Städte, Dörfer und sogar mehrere Bundesstaaten führt.

Wie schon die Remaster-Version von GTA 5 lässt sich auch RDR 2 komplett aus der Ego-Ansicht spielen. Ihr könnt jederzeit die Perspektive wechseln.

Die Story selbst ist spannend, wendungsreich und konsequent erzählt. Wie schon im Vorgänger pfeift Rockstar Games auf Action-Genre-Konventionen à la immer höher, schneller, weiter. Nicht jede Actionsequenz muss in der nächsten Minute von einer noch größeren Explosion getoppt werden. Stattdessen nimmt man sich Zeit, die Geschichte zu erzählen. Erfordert es die Story, wird auch mal Tempo herausgenommen. Das wirkt aber nie wahllos, sondern ist immer passend und fühlt sich richtig an. Hier merkt man einen deutlichen Qualitätsunterschied zu vielen anderen Spielen. Rockstar zeigt nicht nur, dass es möglich ist, eine riesige offene Spielwelt und eine gute Geschichte mit rotem Faden unter einen Hut zu bringen, sondern schafft es erneut, die Eigenheiten des Mediums Videospiel auszunutzen, um die Story so darzustellen, wie es in anderen Medien nicht möglich wäre. Zudem bietet die Geschichte ein paar handfeste Überraschungen, mit denen wohl niemand gerechnet hat.

RDR2 im Test: Organische Spielwelt

Ein weiterer Grund, warum, es Red Dead Redemption 2 gelingt, einen so zu packen und ins Spiel hineinzuziehen, ist ganz klar die absolut herausragende und riesige Spielwelt. Sie ist nicht nur wunderschön und unfassbar detailliert gestaltet, sondern wirkt so authentisch, so echt, so organisch wie wir es wahrscheinlich in noch keinem anderen Spiel erlebt haben. Die vielen abwechslungsreichen Gebiete haben verschiedene Klimazonen (Tipp: Packt zur Vorsicht einen Wintermantel in die Satteltasche) und unterscheiden sich auch optisch deutlich. Dabei sind die Übergänge zu verschiedenen Gebieten toll umgesetzt. Auf Wald folgt nicht einfach Steppe oder Sumpfgebiet. Reitet oder geht man durch die Gegend, erkennt man, wie sich das Gebiet langsam verändert. Ob nun verschneite Berggipfel, Wälder, Sümpfe oder staubtrockene Canyons – die Welt ist genial designt. So seltsam es sich anhören mag, es trägt auch zur Authentizität bei, dass nicht über jedem Gebiet gefühlt tausend Icons auf der Karte vermerkt sind. Ein Wald kann auch einfach mal nur ein Wald sein. Natürlich könnt ihr dort jagen, vielleicht sogar auf die Spur eines legendären Tieres treffen, dessen Pelz besonders viel Kohle beim Händler einbringt, oder Banditen begegnen oder vielleicht den Schauplatz eines Mordes finden, doch die Areale sind ein organisches Stück Spielwelt statt einer Stätte für Sammelgegenstände, die dazu dient, Open-World-Standardaufgaben abzuhaken.

Die Spielwelt von Red Dead Redemption 2 ist so wunderschön sowie detailliert und liebevoll gestaltet, dass uns alle paar Meter das Herz aufging. 

Dennoch sind selbst menschenverlassene Gebiete durchaus lebendig, da sich dort zahlreiche Tierarten tummeln. Im Wald trefft ihr auf Füchse, Hasen, Truthähne, Wölfe oder Bären, während im Sumpfgebiet Alligatoren und Schlangen zu finden sind. Jedes Areal hat spezifische Tierarten. Doch auch die besiedelten Gebiete sind glaubhaft und abwechslungsreich gestaltet. Natürlich findet ihr in den Städten die gleichen Händler wie woanders, doch die Architektur ist überall unterschiedlich. Ein Holzfällerdorf sieht natürlich anders aus als eine Stadt inmitten von Plantagen, welche sich selbstverständlich von einer Großstadt in den Südstaaten unterscheidet.


Jede Stadt, jeder Landstrich hat besondere Merkmale und Eigenheiten und glänzt mit vielen Details. Haltet ihr Augen und Ohren offen, entdeckt ihr vielleicht sogar lohnende Ziel für optionale Überfälle, wie ein Hinterzimmercasino oder das Versteck einer Bande. Doch Obacht: Verscherzt ihr es auch mit gewissen Gruppierungen, kommt es durchaus vor, dass sie euch später im Spiel irgendwo auflauern und ihr in einen Hinterhalt geratet.

RDR2 im Test: Guter Cowboy, böser Cowboy

Wie schon im Vorgänger wirken sich eure Handlungen auf eine Leiste aus, auf der ihr sehen könnt, wie ehrenhaft oder unehrenhaft ihr vorgeht. Seid ihr als Arthur Morgan ein Mann der guten Tat, reagieren NPCs positiver auf euch. Seid ihr ein skrupelloser Bandit, trauen sie euch nicht über den Weg. Auch wenn ihr artig das auf euch ausgesetzte Kopfgeld bezahlt habt, eilt euch euer Ruf voraus. So ähnlich verhält es sich übrigens auch, wenn ihr nicht ab und zu mal in einem Saloon oder Hotel ein Bad nehmt. Nur dass euch dann der Gestank vorauseilt. Euer Ruf richtet sich dabei zu einem großen Teil nach euren Handlungen in den zahlreichen Zufallsmissionen, auf die ihr – genau wie im Vorgänger – unterwegs trefft. Reitet ihr einfach an einem Mann, der von einer Schlange gebissen wurde vorbei, ist das natürlich nicht förderlich für eure Ehre. Beschützt ihr hingegen eine Kutsche vor angreifenden Banditen, ist das selbstverständlich ein Pluspunkt. Allerdings könnt ihr solche Konflikte auch anders lösen, als einfach nur wild um euch zu ballern, da ihr nun ein simples Interaktionstool zur Hand habt. Visiert ihr eine Person mit L2 an, könnt ihr euch aussuchen, ob ihr freundlich seid, provoziert, den Konflikt zu entschärfen versucht, eure Waffe zieht oder jemanden ausraubt.

In einigen Missionen solltet ihr besser heimlich vorgehen und eure Gegner mit Wurfmessern, Pfeil und Bogen oder einem Stealth-Kill ausschalten.

Werdet ihr selbst überfallen, könnt ihr beispielsweise den Angreifer so einschüchtern, dass er die Flucht ergreift. Oder habt ihr mit verdecktem Gesicht einen Mord begangen und werdet später dort vom Sheriff angehalten, könnt ihr euch damit rausreden, dass ihr nur zufällig am Schauplatz dieser Tragödie vorbeigekommen seid, wenn ihr den Konflikt nicht mit Waffengewalt lösen möchtet. Jeden NPC könnt ihr mit diesem System anquatschen. Egal, ob ihr ihn nun grüßt, ausraubt oder zum Kampf provoziert. Die meisten Leute (abseits eures Lagers und der Nebenmissionen) haben zwar nicht besonders viel Interessantes zu sagen, doch das ist ja durchaus realistisch. So rudimentär das Interaktionssystem auch ist, es kreiert zusätzliche Atmosphäre, die einen noch weiter in das Spiel abtauchen lässt, und dadurch entstehen teilweise sogar sehr spannende oder auch lustige Situationen. So wollten wir beispielsweise einem armen Mann am Wegesrand unsere Hilfe anbieten, als wir sahen, dass er gerade versuchte, den Hinterlauf seines Pferdes zu packen, doch unser Hilfsangebot erschrak den Gaul, woraufhin er ausschlug und seinen Besitzer zwei Meter durch die Luft trat. Interagiert ihr fleißig mit der Umwelt, werden euch zahlreiche erinnerungswürdige Momente begegnen.

RDR 2 bietet alles, was man von einem Western erwartet: Zug- und Banküberfälle, Duelle und natürlich eine Massenprügelei im Saloon.

RDR2 im Test: Keine Angst vor Management

Im Vorfeld der Veröffentlichung waren einige Spieler und auch wir ein wenig skeptisch, inwiefern das angekündigte Micro-Management das Spielgefühl beeinträchtigen könnte, da in den letzten Trailern davon die Rede war, dass der Hauptcharakter regelmäßig essen, sich um sein Pferd kümmern und sein Camp versorgen müsse. Hier können wir jedoch Entwarnung geben. Red Dead Redemption 2 ist in dieser Hinsicht so gut gebalanced, dass man nie davon genervt wird. Wer keine Lust hat, das Camp auszubauen oder häufig auf Jagd zu gehen, um dem Campkoch einen frischen Kadaver auf den Tisch zu legen, muss das nicht tun und kann die Geschichte trotzdem ganz normal genießen. Wer hier ein wenig Arbeit investiert, wird aber hin und wieder mit kleinen Nebenaufgaben und Gesprächen belohnt. Auch die Eigenversorgung und die des Pferdes nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Ab und an sollte man eben mal im Gemischtwarenladen ein paar Vorräte kaufen, damit man bei Energieverlust oder Hunger bei sich selbst oder dem Klepper mal eben ins Ringmenü schalten und eine Speise auswählen kann. Ihr müsst das Pferd auch nicht andauernd striegeln oder selbst baden. Macht ihr das mal nebenbei, wenn ihr eh gerade in einer Stadt seid, reicht das schon aus. Das Micro-Management artet also nie in Arbeit aus, wenn ihr es nicht selber wollt.

Ob nun die Pferdepflege, Nahrungsaufnahme oder Arthurs Hygiene – das Micro-Management hat eine gute Balance und artet nie in Arbeit aus.

Im Gegenteil: Diese kleinen Momente tragen sogar noch mehr zur Atmosphäre bei, da man so an den Überlebenskampf im alten Westen erinnert wird und tatsächlich ein wenig mehr Bindung zum Pferd aufbaut, da man eben in dessen Wohlergehen investiert. Zusätzlich zum eigenen und dem Pferdefutter dürft ihr verschiedene Medizin für Gaul und Mensch, Schnaps oder Kautabak (lädt Dead Eye auf) einkaufen. Ihr nutzt und wählt Verbrauchsgüter über ein mit L1 aufrufbares Ringmenü, in dem ihr ebenfalls eure Waffen findet. Haltet ihr L1 gedrückt, verlangsamt sich das Geschehen und mit R1 wechselt ihr zwischen Waffen, Gegenständen für Arthur und Objekten für das Pferd. Alles ist in jeweils einem eigenen Ringmenü zu finden. Die Bedienung ist hier jedoch ein wenig fummelig, da beispielsweise sämtliche Nahrungsmittel für Arthur oder Gewehre auf einem jeweiligen Slot liegen. Möchtet ihr nicht diese eine Flinte auswählen, müsst ihr hier noch mal mit der R2-Taste durch eure Gewehre schalten. Das ist ebenso bei Nahrungsmitteln, Pistolen, Tierfutter und Medizin der Fall. Das ist ein wenig unkomfortabel und unübersichtlich. Zudem schaltete das Spiel teilweise einfach die von uns gewählten Waffen um. So wählten wir beispielsweise für jede Hand einen Revolver aus und bewältigten eine Mission. Bei der nächsten Mission hatten wir jedoch eine Pistole und eine abgesägte Flinte – ohne einen von der Story vorgegebenen Grund – dabei. Das ist durchaus etwas ärgerlich, da die Waffen, die man nicht mitnimmt, in den Satteltaschen des Pferdes bleiben. Wir gehen zwar davon aus, dass Rockstar diesen Bug schnell beheben wird, doch checkt vor einem Gefecht lieber mal, welche Waffen ihr gerade ausgewählt habt.

Erlegt ihr unterwegs wilde Tiere, könnt ihr sie häuten und Fleisch und Fell verkaufen oder eurem Camp spenden. Das ist aber alles optional.

RDR2 im Test: Technischer Leckerbissen

Doch der von uns erwähnte Bug ist tatsächlich die Ausnahme von der Regel. Red Dead Redemption 2 gibt sich technisch kaum eine Blöße und ist zu Release das wohl sauberste Spiel, das Rockstar Games je abgeliefert haben. Lediglich ein weiterer Bug fiel uns auf: Eines unserer Pferde war von einem Moment auf den anderen verschwunden, kam nach einer Mission allerdings wieder, fehlte dann am nächsten Tag des Tests aber komplett und blieb unauffindbar. Ansonsten gibt es an der technischen Umsetzung aber kaum etwas zu beanstanden. Ja, ab und zu trifft man mal auf eine matschige Textur, doch größtenteils wirkt alles super detailliert, die Weitsicht ist überragend, Spielwelt und Charaktere sind mit vielen kleinen Merkmalen versehen und das Geschehen läuft selbst bei hektischen Actionszenen absolut flüssig. Red Dead Redemption 2 ist kein Blender, der nur als Trailer überzeugt, sondern sieht größtenteils absolut fantastisch aus. Besonders die Lichteffekte sind so wunderschön, dass wir sie am liebsten heiraten und viele weitere schöne Lichteffekte mit ihnen zeugen würden.

Die zahlreichen Schusswechsel machen richtig Laune, nur das Deckungssystem ist – wie beim Vorgänger – ein wenig hakelig.

Das hört sich vielleicht bescheuert an, doch wenn ihr in Red Dead Redemption 2 mal im Morgengrauen durch einen leicht nebelverhangenen Wald reitet und seht, wie das Sonnenlicht durch das Geäst bricht, geht einem als Grafikhure das Herz auf. Während unseres Reviews hatte der Tester weniger mit Marshalls oder fiesen Banditen zu kämpfen, als vielmehr mit Kollegen, die sabbernd über seine Schulter guckten und “Meine Güte, sieht das gut aus!”, murmelten bis sie mit einem Besen aus dem Raum gescheucht wurden.


Selbst über die Ladezeiten gibt es nichts Negatives zu berichten, da es keine gibt. Bei Spielstart braucht Red Dead Redemption 2 so ein bis zwei Minuten, bis es losgeht, doch in der Welt selbst bleibt ihr von Ladezeiten verschont. Egal, ob ihr nun ein Gebäude betretet oder eine Mission samt Zwischensequenz startet, nervige Wartezeiten müsst ihr nie in Kauf nehmen. Auf der Standard-PS4 kommt es allerdings zu ein paar auffälligen Pop-ups, von denen die PS4-Pro verschont bleibt.

RDR2 im Test: Ballern, rauben, genießen

Der grundsätzliche Spielaufbau orientiert sich natürlich am Vorgänger oder eben der GTA-Reihe und anderen Open-World-Spielen. Relativ bald nach dem sehr ruhigen, atmosphärischen Beginn steht euch die komplette Spielwelt zur Erforschung offen und Auftraggeber werden mit einem Symbol auf der Karte markiert. Nebenmissionen wie kleinere Überfälle bringen zusätzlich Kohle, während die Hauptmissionen natürlich die Geschichte vorantreiben. Erkundet ihr die Gebiete ein wenig, trefft ihr zudem immer wieder auf die bekannten Fragezeichen auf der Map, wo ihr weitere kleine Missionen findet oder einfach ein paar schrille Gestalten trefft. Die Missionen sind gerade nach dem erste Drittel des Spiels natürlich auf Action ausgelegt, doch auf den teils langen Wegen zum Missionsziel spielen ebenfalls die Dialoge zwischen den beteiligten Charakteren eine große Rolle. Das Gameplay orientiert sich hier oftmals auch an den beliebten Heists aus Grand Theft Auto 5. Sprich: Ihr erledigt Missionen, um an Informationen zu gelangen, bestimmte Objekte zu besorgen oder andere Vorbereitungen zu treffen, um schließlich einen großen Raubüberfall zu starten. Allerdings mischen natürlich auch Gesetzeshüter sowie rivalisierende Banden kräftig mit, sodass ihr euch einige Schießereien liefert.

Die Reit-Steuerung ist allgemein gut gelungen und sehr präzise. Nur bei Schusswechseln auf dem Gaul steuert es sich etwas hakelig.

Das Gunplay ist richtig gut gelungen und die verschiedenen Schießeisen geben ein wunderbar wuchtiges Feedback. Doch auch an euren Gegnern könnt ihr den Einschlag der Kugel wunderbar beobachten. Wenn ihr beispielsweise mit einer doppelläufigen Flinte auf die Schulter eines Fieslings zielt, spürt ihr beim Abdrücken nicht nur den Rückstoß der Waffe, sondern seht auch, wie euer Widersacher beim Einschlag passend zurückgeschleudert wird. Bei besonders gelungenen Treffern werdet ihr sogar mit einer Nahaufnahme in Zeitlupe belohnt. Ebenfalls cool ist das  System, dass eure Schüsse nun genauer und damit tödlicher sind, je länger ihr euer Ziel anvisiert. Schaut ihr nur kurz aus der Deckung und drückt sofort ab, ist der Schuss schwächer und ungenauer platziert, als wenn ihr ein wenig länger mit dem Abdrücken wartet. Mit schnellen Schüssen kann man sich so in manchen Situationen etwas Luft verschaffen, während man aus einer guten Position zum tödlichen Scharfschützen mutiert. Checkt jedoch ab und zu eure viel genutzten Waffen, denn wenn ihr sie nicht ab und zu reinigt, werden sie ungenauer. Allgemein sind die Schießereien wunderbar intensiv und spaßig, nur das Deckungssystem ist manchmal ein wenig ungenau. Teilweise kommt es vor, dass Arthur nicht hinter einer Kiste, sondern daneben Schutz sucht und so kurzzeitig ein leichtes Ziel ist, bis wir diesen Fauxpas korrigiert haben. Hier hat man leider einen der wenigen Kritikpunkte am Vorgänger übernommen.

Die Missionen sind nie überdreht, aber dennoch oftmals spektakulär inszeniert. Hier flüchten wir beispielsweise von einer brennenden Plantage.

Wie aber schon beim ersten Teil, ist dies Meckern auf hohem Niveau und schmälert den Spaß an den Schusswechseln kaum. Der hohe Unterhaltungswert liegt aber natürlich auch daran, wie die Action präsentiert wird und in dieser Beziehung ist Red Dead Redemption 2 einfach klasse. Wir überfallen Banken, rauben Züge aus, prügeln uns mit gefühlt der ganzen Stadt im örtlichen Saloon oder warten im Hinterhalt auf eine Kutsche. Dabei gehen unsere Verbrechen mal mehr, mal weniger glatt. Sagen wir es einfach mal so: Red Dead Redemption 2 spart nicht an allerhand coolen Momenten, die jedoch nie zu überdreht wirken, sondern zur Situation und zum Setting absolut passen. Zudem gibt es auch ein paar spannende Stealth-Abschnitte und ab und zu darf man sogar den anderen Gangmitgliedern Befehle erteilen oder aussuchen, wie man eine Mission angeht. Das hat zwar keine Auswirkungen auf die Geschichte, ist aber natürlich ein nettes Extra.

RDR2 im Test: Vom Pferd erzählt

Wie schon erwähnt, seid ihr aber natürlich nicht nur zu Fuß unterwegs, sondern verbringt einen großen Teil des Spiels auf dem Rücken eures Pferdes. Es bleibt euch dabei überlassen, ob ihr den anfänglichen Standardgaul behaltet, ein besonderes Ross in einem Stall ersteht oder euch selbst ein Wildpferd fangt und zureitet. Es gibt zahlreiche verschiedene Rassen mit jeweiligen Stärken und Schwächen. Eine Araberstute ist beispielsweise flinker als ein britisches Halbblut, allerdings auch nicht so stark und kann deshalb nicht so viele Treffer einstecken. Ist ein Pferd tot, kommt es auch nicht wieder. Allerdings dauert es einige Zeit, bis einer der Klepper ins Gras beißt, sodass ihr euch schon anstrengen müsst, euer Reittier zu verlieren. Je mehr ihr euch um euer Pferd kümmert, desto bessere Fähigkeiten erhält es. Ist euer Gaul mit euch vertraut, erhält er beispielsweise mehr Lebensenergie und Ausdauer. Das funktioniert genauso mit euren Waffenfähigkeiten. Verteilt ihr ordentlich Kopfschüsse, erweitert sich auch eure Dead-Eye-Fähigkeit, mit der ihr die Zeit kurzzeitig verlangsamen und so mehrere Gegner schnell und gezielt ausschalten könnt.

Das Waffen- und Treffer-Feedback ist eine echte Wucht. Sämtliche Schießeisen fühlen sich anders an und laden dadurch zum Ausprobieren ein.

Wo wir gerade schon wieder beim Ballern sind: So geschmeidig sich die Pferde selbst durch enge Pfade und zwischen Hindernissen hindurch steuern lassen, die Schusswechsel auf dem Rücken eures treuen Reittiers steuern sich ein wenig hakelig. Wenn man im Galopp hinter einem Verbündeten oder Verfolgten her plötzlich von mehreren Seiten angegriffen wird, verliert man dadurch oftmals die Übersicht. Hier hätten wir uns gewünscht, dass das Zielsystem ein bisschen genauer ist und geschmeidiger von der Hand geht. Richtig schön finden wir hingegen die Animationen der Pferde. Nichts läuft irgendwie abgehackt oder unrund, die Gäule traben und galoppieren genauso, wie es ihr echten Vorbilder tun. Selbst wenn das Pferd scheut, weil ein Raubtier in der Nähe ist, sieht das absolut glaubhaft und toll aus. Wenn man nicht gerade in eine etwas hakelige Hochgeschwindigkeitsschießerei verwickelt wird, macht das Reiten richtig Spaß. Das ist auch nötig, denn die Ritte zu den Missionen sind teilweise sehr lang, obwohl immer irgendwelche kleinen Zufallsbegegnungen die Reise auflockern. Ungeduldige Naturen, die nur Action wollen, werden mit RDR 2 nicht glücklich.

Das Spiel nimmt sich sowohl bei der Story als auch bei den Charakteren als eben auch bei den Reisen viel, viel Zeit. Allen, die die nicht aufbringen möchten, entgeht aber einiges. Das Durchreiten der Welt ist so stimmungsvoll, dass wir selbst unter stressigen Testbedingungen kaum einmal die Schnellreisefunktion per Zug nutzten. Ob nun hinsichtlich Gameplay, Spielwelt, Charakteren, Fortbewegung oder dem Erzählen der Geschichte – Red Dead Redemption 2 gelingt es, sämtliche Elemente so ineinandergreifen zu lassen, dass es eines der atmosphärischsten Spiele aller Zeiten geworden ist. Das gilt zumindest für die weit über 60 Stunden umfassende Kampagne inklusive Nebenmissionen, denn die Beta des Online-Multiplayer-Modus Red Dead Online startet erst im November. Jetzt sind wir auf jeden Fall gespannt, wie Rockstar diese riesige Welt und Multiplayer-Action unter einen Cowboyhut bekommen möchte.

Red Dead Redemption 2 im Test – Wertung und Fazit

Red Dead Redemption war mein Lieblingsspiel der letzten Konsolengeneration und der Nachfolger ist es wohl für diese Hardware-Ära. Ich glaube nämlich kaum, dass mich in den nächsten ein oder zwei Jahren ein Titel hinsichtlich seiner Atmosphäre, Spielwelt und Erzählung so sehr beeindrucken wird wie der zweite Teil von Rockstar Games’ Westernepos. Trotz kleiner Makel wie dem etwas hakeligen Deckungssystem und den Schießereien auf dem Pferd, habe ich jede einzelne Minute von Red Dead Redemption 2 genossen. Man merkt dem Titel einfach jederzeit an, dass er sich nicht an Genrekonventionen klammern muss, um zu funktionieren, sondern sein eigenes Konzept hat und den Fokus auf Erzählung und Atmosphäre setzt. Das ergibt, vermischt mit dem spaßigen und toll inszenierten Gameplay, einen absolut fantastischen Western.

Red Dead Redemption 2 ist das erwartete Meisterwerk geworden, leidet am PC aber unter einigen technischen Macken.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
Translate »